Interview mit Otto Huber

Herr Dr. Otto Huber ist beim Amt der NÖ Landesregierung Leiter der Abteilung Landeskrankenanstalten und Landesheime und zusätzlich Leiter der Gruppe Gesundheit und Soziales.

Wie alt sind Sie 2050?
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Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Mit dem Wort  Lebensabend verbinde ich den wahrscheinlich langen letzten Lebensabschnitt eines Menschen nach der Pension bis zum Tod. Die Pflegewissenschaft geht im Jahr 2050 von der durchschnittlichen Lebenserwartung von ca 90 Jahren  aus, um mehr als 8 Jahre länger als jetzt. Die Pflege verschiebt sich daurch nach hinten, da die Menschen länger als bisher aktiv und gesund bleiben. Um das Pensions- und Sozialsystem mittelfristig finanzierbar gestalten zu können, muss das Pensionsalter schrittweise an die zunehmende Lebenserwartung der Menschen angepasst werden.
Ich bin heute 60 Jahre alt und ich habe heute kein Problem damit mit 65 Jahren oder höher in Pension zu gehen. Danach sehe  ich zumindest weitere 15 Jahre, in denen ich aktiv sein kann, vor mir. Ich stelle es mir so vor, dass ich mehr Zeit für meine Familie, insbesondere für meine Enkelkinder haben werde , aber mehr Zeit in der Natur und beim Gärtnern verbringen kann . Vorstellbar ist für mich auch eine  sinnstiftende Beschäftigung im Alter zu finden Ich bin in meiner Funktion nun schon seit über 20 Jahre im Gesundheits- und Pflegebereich tätig und kann es mir auch vorstellen, nach meiner Berufslaufbahn als Experte mich weiterhin dort auch ehrenamtlich  zu engagieren.

Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Wie viele andere, möchte auch ich so lange wie möglich zu Hause bleiben. Wir müssen aber heute schon lernen, den Wohnraum anders zu denken. Von der logischen Barrierefreiheit, die eigentlich in der Grundplanung des Wohnraums von Beginn an berücksichtigt werden sollte bis hin zu neuen Technologien, die eine Betreuung zuHause unterstützen wird. Überschaubare und  kleinere Strukturen – wie z.B. Wohngruppen – statt vorhanden sein. Speziell in der Langzeitpflege müssen wir vom institutionellen Ansatz hin zu einem der Normalität , des Eingehens auf individuelle Wünsche fernab von tradierten Abläufen kommen.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Auf ein gutes Miteinander, gut begleitet werden und nicht allein sein.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?

 Denken Sie bitte an medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit Wohnsituation, kulturelle Möglichkeiten?
Der medizinische Fortschritt, die technische Weiterentwicklung, Digitlaisierung und Globalisierung werden uns vor eine komplett andere Situation stellen. Die Pflege und Betreuung müssen wir in Zukunft anders denken. Der Faktor Mensch wird zum Teil ersetzt werden und andere Berufsbilder und Schwerpunkte können sich daraus ergeben. Es wird zu einem wesentlich stärkeren Miteinander  von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen  kommen und die zukünftige Finanzierung wird sich von der von heute wesentlich unterscheiden

Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
30% bis 40%
Aus Sicht der Kunden müssen die getrennt finanzierten Systeme  besser vernetzt werden, wie z.B. die Sozialversicherung, der Akutbereich und der niedergelassene  Sektor. Vermehrt in PHC (primary health center) investieren, um die Ambulanzen zu entlasten und dadurch zu einem effizienteren Einsatz der Mittel zu kommen.

Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter? Skala 1-10
Skala 7-8 gerichtet auf den Zeitraum 2020 – 2025
Skala 4-5 gesehen auf bis zum Jahr 2050

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei? Skala1-10
7-8 gezielt gesehen auf unseren laufenden Innovationsprozes in den Landespflegeheimen. Dieser stellt den Kunden in den Mittelpunkt und alle Prozesse und Abläufe richten sich danach. Durch eine fundierte wissenschaftliche Begleitung und Dokumentation können wir diesem Veränderungsprozess  Nachhaltigkeit geben.

Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Momentan denkt jeder in den eigenen Systemen, auf schaut auf das eigene Klientel und die eigenen Interessen. Vielmehr müssen wir das große Ganze sehen und alle Systeme vernetzen und auf Synergien setzen.

 

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