Interview mit Christopher Drexler

Herr Mag. Christopher Drexler ist Landesrat für Gesundheit, Pflege, Wissenschaft und Personal in der Steiermärkischen Landesregierung

 Wie alt sind Sie 2050?
79

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Ich möchte weiterhin in Graz wohnen und hoffentlich kann ich dann auch noch meine Wohnung in Schladming genießen. Mit 79 Jahren sollte ich schon noch so aktiv und rege sein.

Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Ich brauche einen einfachen Zugang zum sozialen Leben – diese fußläufige Erreichbarkeit aller infrastrukturellen Einrichtungen die ich zum Leben brauche. Deshalb liebe ich es auch in der Grazer Innenstadt zu leben.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Auf meine Bücher und dem steirischen Wein! D.h. ich möchte bis zum Schluss aktiv und rege am gesellschaftlichen Leben teilhaben und das Leben genießen.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?
Am Wichtigsten ist es persönlich keine Schulden zu haben. Damit sollte es möglich sein – auch mit einem Mindesteinkommen – so halbwegs das Leben bestreiten zu können.
Das politische Ziel muss sein, dass der Bereich des Gesundheitssystems die Auswirkungen der demografischen Entwicklung Rechnung getragen hat. Sowohl im Akutbereich wie auch in der Langzeitpflege muss die Finanzierbarkeit gewährleistet sein. Dazu braucht es eine verantwortungsvolle Politik, die mehr in die Gesundheitsjahre der Menschen investiert.
Der längerfristige steirische Plan schafft die notwendigen Angebote anhand der Bedarfsberechnungen von zur Zeit rd. 79000 Pflegegeldbezieher/innen auf mehr als 93000 Betroffene bis zum Jahr 2025.

Denken Sie bitte an medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit Wohnsituation, kulturelle Möglichkeiten?
Wir müssen auch in alternative Wohnformen investieren und sie haben Recht auch auf die Auswirkungen der Urbanisierung und der damit einhergehenden Landflucht müssen wir dementsprechend reagieren. Wenn sie dieses Bild skizzieren, das in Zukunft vermehrt alte Menschen am Land leben werden, dann muss vor allem auch in den technischen Fortschritt investiert werden. Autonomes Fahren wird 2050 eine Selbstverständlichkeit sein.
Gemeinsam mit Tirol haben wir eine Achse gebildet um heute schon den technologischen Fortschritt mit konkreten Projekten zu berücksichtigen. Es werden erfolgreiche Projekte aus Tirol für die Steiermark übersetzt und zum Beispiel im Mürztal arbeiten wir gerade an der Umsetzung der Onlinemedizin für chronisch Kranke.
Gerne stellen wir unsere best practice Projekte dem Aktionsnetzwerk zur Verfügung.

Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
Wenn wir von der quantitativen Dimension der Angebote ausgehen, dann fehlen genau so viele, wie es dann 2050 Menschen gibt, die es dann brauchen.
Von der qualitativen inhaltlichen Dimension ausgehend fehlen sicher 50%!

Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter? Skala 1-10
Wenn wir von der heutigen Sicht ausgehen, dann vergebe ich 8 Punkte auf der Skala 0-10. Wir investieren heute viel in sinnvolle Projekte. Nur wenn wir es langfristig sehen, dann braucht es eine nachhaltige Finanzierung – ein Finanzierungsinstrument, das ergänzend zum jetzigen System wirkt – damit die Verantwortung auf breiter Basis gestellt bleibt. Wenn wir die Diskussionen in den Ausschüssen betrachten, dann erkennen wir wie schwierig dieser Diskurs ist, wenn schon innerfraktionell es zu keiner Einigung kommt und dann erst überfraktionell.

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei? Skala1-10
8

Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Mit ihrer Analyse der Fragmentierung haben sie vollkommen recht und es braucht daher auf alle Fälle diesen multiprofessionellen Ansatz – mit allen Experten/innen aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik – der alle Lebensbereiche miteinschließt.
Insofern kann ich ihr Aktionsnetzwerk nur begrüßen und bestmöglich unterstützen.

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