Interview mit Edeltraud Glettler

SC Mag.a Edeltraud Glettler,  Europäische, internationale und sozialpolitische Grundsatzfragen, Leiterin der Sektion V, BMASK

Wie alt sind Sie 2050?
87 Jahre

 Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Auf Grund persönlicher Schicksalsschläge weiß ich nur zu gut, wie wichtig ein langes und gesundes Leben ist. Die Frage, wie ich leben möchte, ist eine, die sich klar beantworten lässt: möglichst selbstbestimmt, so weit es geht gut vernetzt mit FreundInnen – auch in meiner Altersgruppe, die es dann hoffentlich  noch zahlreich gibt. Ich wünsche mir hohe Mobilität und möchte entweder mit Zukauf von Leistungen zuhause leben oder sonst in einer Wohnform, die in Richtung Wohngemeinschaft geht, jedoch viel individuellen Freiraum aber gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten bietet. Hierbei sollten auch Unterstützungsleistungen durch professionelle Anbieter gegeben sein.
Ich hoffe geistig rege zu sein und möchte ehrenamtlich tätig sein. Ich gehe nicht davon aus, dass mich eines meiner Familienmitglieder intensiv betreuen wird können, denn aufgrund der allgemeinen Lebensumstände wird diese Lebensform für alte Menschen abnehmen.

 Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Selbstbestimmung und eine gewisse Gestaltungsmöglichkeit, wobei sich diese im Alter verändern werden. Mir ist wichtig, aktiv sein, eine gute Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit zu haben – enge soziale Beziehungen sind dabei wohl das Um und Auf. Dazu zählt die Familie aber auch der Freundeskreis. Ich hoffe die Kraft zu haben, Veränderungen geistig möglichst lange (Technik, Gesellschaft,…) nachvollziehen zu können.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Enorm wichtig ist mir, in Würde zu leben! Ich denke dass es nicht gehen wird, unabhängig zu leben, aber in Würde zu leben bis zum Schluss ist mir sehr, sehr wichtig!

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?
Ich glaube, dass ein gutes Betreuungs-, Pflege- und Gesundheitssystem enorm wichtig sein wird, wobei ich bei der Betreuung ergänzend auch auf ehrenamtliches und freiwilliges Engagement hoffe. Ich denke, dass es möglich ist, auch mit weniger Einkommen im Alter halbwegs gut und würdevoll zu leben, solange der Gesundheits- und Pflegebereich gut funktioniert. Dann geht es auch um die Frage der Wohnkosten – ob das in einer betreuten Wohnung, einer Wohngemeinschaft oder im Heim ist. Hier ist es wichtig, dass es erschwingliches Wohnen auch für alte Menschen gibt. Das Land im Alter zu verlassen, kann ich mir  nicht vorstellen, da Österreich einen sehr hohen Standard an Lebensqualität bietet – das sollte uns durchaus auch bewusst sein oder wieder werden.

 Denken Sie bitte an medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit Wohnsituation, kulturelle Möglichkeiten?
Sozialer Friede, Mitbestimmungsmöglichkeit, Sport, Kultur,… Was ganz schlimm wäre, wäre eine Ghettobildung. Es soll auch in Zukunft möglich sein, als älterer Mensch in der Mitte der Gesellschaft leben zu können! Wobei ich denke, man kann den alten Menschen auch was abverlangen – im Sinne eines positiven Beitrages zu einem guten Miteinander, in gegenseitiger Toleranz, im Sinne des Bewusstseins, dass Veränderungen notwendig sind,…

 Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
Ich glaube, dass wir sehr weit sind was die sozialen Leistungen und die sozialen Institutionen angeht.  Wir müssten jedoch noch verstärkter mehr mit als für die älteren Menschen tun. Die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Menschen wären stärker zu berücksichtigen und sie sollten auch verstärkt aktiv eingebunden werden. Man muss die Vielfalt und die Anliegen der älteren Menschen ernstnehmen und diese Heterogenität unserer Gesellschaft wahrnehmen.

 Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter? Skala 1-10
9

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei? Skala1-10
9

Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Wir bräuchten mehr Bildung für ältere Menschen und ein besseres Schnittstellenmanagement zwischen stationärem und ambulantem Bereich. Man könnte einen Mehrwert schaffen, wenn man gewisse Kompetenzbereinigungen zwischen verschiedenen Körperschaften und Verantwortungsträgern herstellen könnte.
Zudem müsste man ganz gezielt viel stärker mit niederschwelligen Projekten an bildungsfernere und einkommensschwächere Gruppen herankommen.
Enttabuisierung von Gewalt gegen ältere Menschen und effektive Präventionsmaßnahmen.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*