Interview mit Kai Leichsenring

Dr. Kai Leichsenring ist Direktor des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung.

Wie alt werden Sie im Jahr 2050 sein?
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Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Irgendwo am Strand, wenn bei gesundheitlichen Einschränkungen die Infrastruktur vorhanden ist, oder in einer Wohngemeinschaft mit Freunden und Freundinnen.

Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Wahrscheinlich eine professionelle Betreuung bei gesundheitlichen Problemen – und ansonsten stelle ich mir ein Netzwerk in der näheren Umgebung vor, wobei Angebote für und Nachfrage nach Unterstützung und soziale Kontakte durch digitale Kommunikation koordiniert werden.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Auf meine Selbstbestimmung möchte ich nicht verzichten.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?

Denken Sie bitte an medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit Wohnsituation, kulturelle Möglichkeiten?
Ich hätte natürlich gerne eine Infrastruktur, die ich mir leisten kann – basierend auf einer existenzsichernden Grundversorgung. Die sozial-medizinische Versorgung sollte darauf ausgerichtet sein, dass es nicht allein um Lebensverlängerung geht, sondern um Lebensqualität. Dazu benötigen wir eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Arbeitskräfte, die mit diesen Herausforderungen umgehen können. Abgesehen von diesen frommen Wünschen sehe ich für die Zukunft aber auch die Gefahr, dass wir selbst in Mitteleuropa mehr und mehr zurückfallen könnten auf „Armenheim-Lösungen“, weil wir nicht genügend Arbeitskräfte finden und die öffentliche Finanzierung zur Sicherung der Qualität nicht aufrecht erhalten werden kann.

Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
Das kann man nicht vergleichen, denn heute lebt eine ganz andere Generation, mit anderen Wünschen und Bedürfnissen als wir, die 2050 alt sein werden.

Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter? Skala 1-10
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In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei? Skala1-10
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Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Wichtig wäre, die Individualisierung der Absicherung zu überwinden und Strategien zu stärken, welche erstens gemeinschaftliche Initiativen im lokalen Bereich unterstützen, zweitens lebenslauforientierte Ansätze vertiefen, in denen das chronologische Alter nicht im Vordergrund steht, und drittens, intergenerationalen Austausch jenseits der traditionellen Familienbande ermöglichen.

 

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