Interview mit Lukas Schinko

Ing. Lukas Schinko ist Vorstandsvorsitzender der Neuroth AG. Er ist einer der jüngsten CEOs Österreichs. Neuroth ist Österreichs ältestes Familienunternehmen für Hörgeräteakustik

Wie alt sind Sie 2050?
62 Jahre

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein? Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Am wichtigsten ist mir mein unbeschwertes Leben. Ich will keinen Bruch in meiner Entwicklung und auf Lebensqualität verzichten. Daher möchte ich mir gewisse technologische Entwicklungen zu nutze machen, mich aber nicht mit unnötigen Technologien quälen. Mir gefällt z.B. die Entstehungsgeschichte vom E-Bike sehr gut. Die Generation, die früher sehr viel mit dem Rad unterwegs war, ist jetzt älter geworden und will nicht auf das Fahrrad verzichten. Also ist das E-Bike die logische Konsequenz.

Lebensqualität im Alter muss unser großes Ziel sein. Bei Neuroth tragen wir mit Hörgeräten und Brillen zu dieser Lebensqualität bei.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die privaten und öffentlichen Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?
Ich vertrete den Standpunkt, dass die Eigenverantworung jedes einzelnen der Schlüssel ist. Natürlich braucht es gewisse Strukturen, aber ich kann auch selbst viel beitragen. Das Thema Vorsorge und Präventivmedizin liegt mir am Herzen. Jetzt hätten wir noch die Möglichkeit dazu und können die Haltung von ganzen Generationen umkehren. Das braucht natürlich Konsequenz jedes einzelnen. Dazu fällt mir die indische Gesundheitsphilosophie ein: Man bezahlt den Arzt fürs Gesundsein und nicht fürs Kranksein. Diesen Ansatz finde ich gut.

Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
In Prozent kann ich das nicht beziffern. Was mir widerstrebt: Wenn die Lebensqualität im Alter vom Vermögen abhängt. Das will ich nicht.

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei?
Bei Neuroth beschäftigen wir uns ständig damit, wie wir Lebensqualität im Alter sicherstellen können. Hören und Sehen sind Fähigkeiten, die man für ein soziales Leben braucht. Leute, die nicht gut hören, ziehen sich aus der Gesellschaft zurück. Wir wissen, dass Menschen 7-10 Jahre warten, bis sie ein Hörgerät anschaffen, obwohl sie spüren, dass ihr Hörvermögen abnimmt. Das hat mit Stigmatisierung und mit Scham zu tun.

 Eine weitere Konsequenz von Hörproblemen ist, dass die Hirnaktivität abnimmt. Wenn wir weniger hören und verstehen, ist das extrem anstrengend. Darum schalten dann viele einfach in Gesprächen ab oder werden schneller müde.

Da gilt es für uns viel Aufklärung und Wissenstransfer zu leisten. Wir lassen uns viel einfallen, z.B. die Infoseite www.hoeren.at, unsere neue „Besser verstehen-Initiative“, die Hörbox für Angehörige oder das Hör-Spiel „kwiiietsch“ für die ganze Familie.

 Interessant ist, dass in Großbritannien durch schlechtes Hören ein volkswirtschaftlicher Schaden von 13 Milliarden Pfund entsteht. Für Österreich kenne ich keine Zahlen. Aber denken wir nur an das Beispiel, wenn ältere Menschen beim Arzt sind und nicht hören, was sie zu tun haben. Nachfragen trauen sich die wenigsten.

 Pro Monat bekommen wir mehrere Danke-Briefe von Betroffenen, die so glücklich sind, wenn Sie wieder hören können. Sie nehmen dadurch wieder am gesellschaftlichen Leben teil. Sie hören wieder, was ihre Enkelkinder zu sagen haben, können mit den Nachbarn wieder tratschen oder in die Kirche gehen.

 Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Insgesamt beschäftigen wir uns als Gesellschaft mit dem Thema Älter werden sicher zu wenig. Daher begrüße ich das Aktionsnetzwerk „Alt sein und gut leben 2050“ sehr.

 

 

 

 

 

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