Interview mit Roberta Maierhofer

Prof.in Dr.in Roberta Maierhofer M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Amerikanistik an der KFU Graz und Leiterin des Zentrums für Inter-Amerikanische Studien – C.IAS.

Wie alt sind Sie 2050?
90 Jahre

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Meine Vorstellungen sind nicht konkret, da ich hoffe, dass ich auch zukünftig mit sich verändernden Rahmenbedingungen offen umgehen kann. Ich hoffe darauf, dass mir noch gute Gedanken kommen, ich interessante Gespräche führen werde und am politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Leben partizipieren kann.

Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Wichtig ist mir, am Leben in all seinen Facetten teilzuhaben und wertgeschätzt und wertschätzend im Hier und Jetzt zu leben im Wissen, dass sowohl die Vergangenheit wie auch die Zukunft dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Eine Annahme des Lebens mit all seinen Widersprüchen, eine Akzeptanz von sich selbst und dem anderen in all der Ambivalenz, die das Menschsein ausmacht.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?
Ein Sozialsystem, das dem Einzelnen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft – die Möglichkeit bietet, ein gutes Leben zu führen. Dies ermöglicht für alle einen Lebensstandard, der soziale und individuelle Zufriedenheit fördert.

Denken Sie bitte an medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit Wohnsituation, kulturelle Möglichkeiten?
Hier ist es wichtig viele Angebote und Möglichkeiten altersunabhängig und intergenerationell anzubieten. Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse sind nicht generationsspezifisch, daher muss diese Frage eine grundsätzliche sein, die für alle unabhängig vom Alter beantwortet werden muss. Medizinische Versorgung, soziale Eingebundenheit, eine adäquate Wohnungssituation sowie die Teilhabe an kulturellen Aktivitäten müssen für alle zugänglich sein und altersunabhängig allen Bevölkerungsgruppen ermöglicht werden.

Wenn Sie die Lebensrealität alter Menschen heute mit dem Zukunftsbild von „Alt sein und gut leben“ vergleichen – wieviel % fehlen?
40 %

Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter? Skala 1-10
Oft fehlt es nicht an den Beiträgen, aber an der Annahme und Partizipation. Daher Skala 8 für Beiträge, und 5 für Akzeptanz der Angebote.

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei? Skala1-10
Da wir verstärkt interdisziplinäre Zugänge zu dieser Frage brauchen, sind viele der sehr guten Projekte, Maßnahmen und Initiative für sich gesehen nicht so erfolgreich wie sie sein könnten. Daher 6. Wir brauchen mehr Kommunikation, Plattformen und interdisziplinäres gemeinsames Arbeiten.

Wir wissen alle, dass es heute viele Stolpersteine gibt und das Thema „Alt sein“ fragmentiert angegangen wird. Welche Grenzen und Bruchstellen müsste man Ihrer Meinung nach aufheben?
Vor allem die engen Fachgrenzen und die Abwertung der Geistes- und Sozialwissenschaften zugunsten eines medizinisch-technischen-naturwissenschaftlichen Bereiches muss zugunsten eines gemeinsamen Handelns überwunden werden. Ein gutes Leben lebenslang kann nur erreicht werden, wenn wir gesellschaftliche, politische, ökonomische und kulturelle Strukturen schaffen, die den Einzelnen unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt. Ein interdisziplinärer und intergenerativer Zugang ist dafür unerlässlich.

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