Interview mit Anita Preiner

Anita Preiner leitet die Abteilung Marketing und Ernährung von SV Österreich

Wie alt sind Sie 2050?
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Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor? Wo werden Sie leben, wie werden Sie betreut sein?
Wenn ich gesund und fit bin, dann sicher in vertrauter Umgebung. Ich bin vor kurzem ins Sonnwendviertel gezogen und fasziniert, wie schnell eine starke Gemeinschaft entstehen kann. Natürlich hat es etwas damit zu tun, dass viele Menschen zeitgleich eingezogen sind und jeder auf den anderen zugeht. Mittlerweile kenne ich viele Leute und wir machen auch viel zusammen. Jemand hat gleich zu Beginn eine Facebook-Gruppe angelegt, über die haben wir uns dann zu einem ersten Abend getroffen. Schön ist auch, dass wir eine sehr bunte, altersdurchmischte Community sind. So wie ich es momentan empfinde, kann man hier auch sehr gut alt werden – mit guter Verkehrsanbindung in die Innenstadt, in vertrauter Umgebung und in einer Gemeinschaft mit offenen und hilfsbereiten Menschen.

Was ist Ihnen dann besonders wichtig?
Ich will nicht alleine in der Wohnung sitzen und mich fragen: Wie beschäftige ich mich den ganzen Tag über? Familie und Freunde sind sicher wichtig, aber eben auch das Wohnumfeld. Dass da Menschen sind, mit denen ich gerne etwas unternehme oder bei denen ich auch einfach nur spontan anläuten kann, weil ich sie schon länger kenne. Wichtig im Alter ist es auch, modular Hilfe in Anspruch nehmen zu können, wenn man diese benötigt und über die verschiedenen Angebote informiert zu sein.

Worauf werden Sie bis zum Schluss nicht verzichten wollen?
Körperlich und geistig dem Alter entsprechend fit zu sein – und wenn notwendig, modular Hilfe anzunehmen. Sicher muss man selber offen und interessiert bleiben, Spaß haben auch etwas Neues zu probieren. Ich hoffe, dass ich dann so flexibel bin und immer noch gerne am gesellschaftlichen Leben teilnehme und auch am Leben anderer teilhaben kann.

Angenommen Ihre Sozialsituation verändert sich dramatisch. Ihre Kinder siedeln in ein anderes Land oder Sie haben gar keine Kinder, die Pensionen reduzieren sich auf eine Mindestsicherung etc. Wie müssten die Strukturen in Österreich aussehen, damit Sie 2050 immer noch gut leben?
Wichtig ist sicher die gesundheitliche Grundversorgung und gleichzeitig die Möglichkeit selber noch etwas tun zu können, um geistig fit und aktiv zu bleiben. Ehrenamtliches Einbinden und Mehrgenerationenhäuser sind da eine feine Sache.

Alles in allem wie weit sind die heutigen Maßnahmen, die in Ö gesetzt werden, sinnvolle Beiträge zu einem guten Leben im Alter?
Übergeordnet ist das schwer zu beurteilen, da meine Tätigkeit im Bereich Marketing und Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung liegt. Unser Thema ist das Essen, das im Alter bekanntlich immer wichtiger wird. Wir fragen aktiv die Bewohner, bringen Vertrautes aus der Kindheit auf den Speiseplan, kochen z.B. gerne Rühreier auf den Stationen, damit es einfach auch lecker riecht und das Essen nicht nur verpflegt sondern zum Genießen einlädt. Auch die Animation, die heute in den Häusern stattfindet, das ist schon wirklich sehr gut überlegt und bunt gestaltet.

Der ältere Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, Sorgen und Ängsten muss generell mehr in den Mittelpunkt gestellt werden und Wertschätzung erleben. Das Bild vom Alter, das momentan oft noch negativ behaftet ist, muss aufgebrochen und enttabuisiert werden.

Das Um und Auf bei allen Maßnahmen ist und wird insbesondere in Zukunft die gut funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen sein.

In wie weit tragen konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in Ihrem Kompetenzbereich zu einem guten Leben im Alter bei?
Das Thema Genuss ist uns – aus den erwähnten Gründen – besonders wichtig.

Für die besonderen Bedürfnisse im reifen Alter bieten wir auch spezielle Ernährungskonzepte an. Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden bekommen ihre Mahlzeit nicht nur püriert, sondern auch appetitlich in Form gebracht und liebevoll angerichtet. Das pürierte Huhn kommt dann zum Beispiel in einer Henderl-Form auf den Tisch.

Ein anderer Innovationsbereich ist Fingerfood für Menschen mit Demenz oder eingeschränkter Motorik. Hier werden die Speisen häppchen­weise zubereitet und angerichtet, sodass diese einfach mit den Händen gegessen werden können. Das Prinzip dabei: größt­mögliche Selbst­ständigkeit und Selbst­bestimmtheit bei den täglichen Mahl­zeiten aufrechterhalten.

Im Moment arbeiten wir an einer neuen Linie, die Menschen mit Osteoporose die richtigen Nährstoffe bietet. Es ist also viel Bewegung im Thema. Wir arbeiten sehr eng mit den Seniorenheimen und den einzelnen Teams vor Ort zusammen. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen sind die Basis für all diese Entwicklungen.

Diese Art von Austausch erwarte ich mir auf einer größeren Ebene auch durch das Aktionsnetzwerk „Alt sein und gut leben 2050“. Es gibt so viel, das wir gemeinsam in Angriff nehmen können.

 

 

 

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